Beratung und Kooperation für
mehr Lebensqualität im Alter www.Handwerk-Wohnen.de

Grundlagen:
Dem Wohnen kommt in der Lebensgestaltung von Menschen eine zentrale Bedeutung zu. Wohnen ist Lebensmittelpunkt und entscheidender Faktor für Lebensqualität in jedem Lebensalter. Wohnen umfasst individuelle Komponenten wie Bequemlichkeit, Wellness, Komfort, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Kosten. Wohnen hat aber auch regionale, gesamtwirtschaftliche, soziale, umweltbezogene, energetische und ökonomische Auswirkungen.
Mit dem demografischen Wandel ergeben sich neue Anforderungen an das Wohnen, insbesondere im Hinblick auf die wachsende Zahl älterer und in ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkter Mitbürgerinnen und Mitbürger.
Bei der Gestaltung von Wohnsituationen sollte grundsätzlich darauf geachtet werden, dass sie für jedes Lebensalter und für jede Lebenssituation geeignet sind. Bei besonderen Bedürfnissen, z. B. bei Krankheit und Behinderung, ist stets zu prüfen, ob notwendige Anpassungen so vorgenommen werden können, dass sie auch allgemein von Vorteil sind.
Den Unternehmen des Handwerks kommt in der älter werdenden Gesellschaft die wichtige Aufgabe zu, die Anpassung von Wohnbedürfnissen zu realisieren. Die damit verbundenen Marktchancen lassen sich dann optimal nutzen, wenn sich alle Beteiligten mit den Erfordernissen zukünftigen Wohnens vertraut machen.
Die Bereitstellung qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Schulung sind Kernelemente bei der Nutzung wirtschaftlicher Chancen.
Möglichkeiten:
Wirtschaftliche Möglichkeiten ergeben sich aus der Kombination von demografischem Wandel, Anpassungsbedarf von vorhandenem Wohnraum, Integration neuer Produkte und Dienstleistungen in das Angebotsprogramm, Entwicklungen auf dem Energiemarkt und der Erfordernis von Nachhaltigkeit.
Wenn immer mehr Menschen ein höheres Lebensalter erreichen und die Zahl älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger absolut und relativ zur Gesamtbevölkerung steigt, schafft dies eine Vielzahl neuer Marktchancen. Es ist damit zu rechnen, dass die Fähigkeit zur Eigenleistung, z.B. bei Bauleistungen, Reparaturen und Renovierungen, abnimmt und zunehmend Leistungen des Handwerks und der handwerksähnlichen Gewerbe in Anspruch genommen werden. Unterstützt wird dieser Trend durch die steuerliche Begünstigung so genannter haushaltsnaher Dienstleistungen.
Die Marktchancen werden sich durch regionale Strukturen und Wanderungsbewegungen anhaltend verändern. Dies führt einerseits zu sinkender Nachfrage, der in anderen Regionen wachsende Nachfrage gegenübersteht.
Die Kenntnis dieser Veränderungen ist notwendige Voraussetzung für sachgemäße und zielgerichtete Reaktionen von Handwerksunternehmen. Die Organisationen des Handwerks, Handwerkskammern, Innungen und Fachverbände stellen gemeinsam mit staatlichen und kommunalen Wirtschaftsförderungsstellen eine Vielzahl von Informationen und Schulungen bereit.
Umsetzungshilfen:
Die Umsetzung von Ideen zur Bewältigung des demografischen Wandels, der technologischen Entwicklung und der betrieblichen und personellen Anpassung erfordert geeignete Strategien und Handlungsaktivitäten. Gerade kleine und mittlere Unternehmen des Handwerks sind aufgrund ihrer Struktur dafür oftmals nur unzureichend vorbereitet. Dies kann im Ergebnis dazu führen, dass wichtige Entwicklungen nicht erkannt werden oder die geeigneten Instrumente zur Umsetzung von Maßnahmen nicht zur Verfügung stehen.
Um diesen größenbedingten Nachteil auszugleichen, entwickeln die Organisationen des Handwerks, Handwerkskammern, Fachverbände des Handwerks und Innungen, häufig gemeinsam mit kommunalen und staatlichen Wirtschaftsfördereinrichtungen, praxisgerechte Umsetzungshilfen. Dabei geht es um betriebliche und überbetriebliche Schulungen, um Leitfäden für bestimmte Bereiche, wie beispielsweise altersgerechte Wohnbedingungen oder branchenbezogene Techniken und Organisationsformen, um erfolgsorientierte Methoden der Auftragsbeschaffung und Markterschließung, um Mitarbeiterbeschaffung und Mitarbeitermotivation, um Finanzierungshilfen und um Hinweise auf lokale, regionale und nationale Veränderungen.
Die wichtigste Form der Umsetzungshilfe zur Bewältigung des demografischen Wandels und der damit verbundenen betrieblichen Herausforderungen kann in der individuellen Beratung gesehen werden, die in ihrer Basisform über die Handwerkskammern allen Mitgliedsbetrieben kostenfrei zur Verfügung steht. Zur Kontaktaufnahme reicht ein Anruf.
Technik:
Der demografische Wandel wird begleitet von einer Vielzahl von Techniken und es ist eine der wesentlichen Aufgaben des Handwerks, diese Techniken für Menschen zur Verfügung zu stellen. Handwerk ist der Wirtschaftsbereich, der herkömmliche Techniken mit innovativen Techniken verknüpft, der einbaut, montiert, in Betrieb nimmt, wartet und pflegt.
Die Nutzung von Marktmöglichkeiten hängt wesentlich davon ab, dass die Angebote an technischen Möglichkeiten umfassend bekannt sind. Dabei geht es nicht nur um Techniken, die älteren und behinderten Menschen helfen, selbstständig ihr Leben zu gestalten, wie automatische Beleuchtungen, leicht bedienbare Armaturen, elektrische Antriebe, Treppenlifte und Geländer, sondern auch um den großen Bereich an Maßnahmen, die dem allgemeinen Komfort, der Bequemlichkeit, der Kosteneinsparung, der Nachhaltigkeit und der Sicherheit dienen. Beispiele dafür sind Solaranlagen, Wärmedämmungen, moderne Bäder, zukunftsorientierte Grundrisse, digitale Steuerungen für Gebäude, Internetanschlüsse oder dekorative Gestaltungen von Oberflächen.
Technik ist aber auch gefragt, wenn es um die Ausführung der Leistung geht. Transporthilfen, mobile Lifte und Hubsteiger, leistungsfähige Maschinen mit elektronischer Unterstützung können auch im kleinen Betrieb zum Einsatz kommen.
Die Kenntnis technischer Möglichkeiten und der Umgang mit Technik bedarf der qualifizierten Schulung.
Dienstleistungen:
Handwerkliche Dienstleistungen werden voraussichtlich an Bedeutung gewinnen und manche von ihnen den Status kostenfreier Nebenleistungen verlieren. Der Schutz von Bauteilen bei Renovierungsmaßnahmen in bewohnten Räumen, die Hilfe beim Aus- und Einräumen und die Reinigung nach dem Abschluss von Arbeiten sind Dienstleistungen, die in Angeboten und Rechnungen zunehmend ausgewiesen werden müssen. Zur den Dienstleistungen, die abgerechnet werden können, zählen auch qualifizierte Beratungen und Planungsleistungen.
Der vermehrte Einbau innovativer Technik in Wohnungen und Gebäude führt zu einem höheren Bedarf an Wartungs-, Pflege- und Instandhaltungsdienstleistungen. Wartungs- und Pflegeverträge, verbunden mit saisonal erforderlichen Inbetriebnahmen und Reinigungen sollten offensiv angeboten werden. Nicht nur zum Zweck der Einhaltung von Emissionsgrenzwerten, sondern auch im Hinblick auf die Funktionsfähigkeit. Wurden solche Verträge in der Vergangenheit häufig nur bei größeren Anlagen abgeschlossen, sind sie heute und in Zukunft auch für Wohnungen und Einfamilienhäusern sinnvoll. Auch für elektrische Rollläden, Belüftungssysteme, Anstriche oder Mobiliar.
Eine wachsende Zahl älterer Menschen, deren körperliche Fähigkeiten nachlassen, wird diese Dienstleistungen in unterschiedlichen Größenordnungen nachfragen und damit neue Beschäftigungsmöglichkeiten für das Handwerk schaffen, die allerdings auch mit neuen betrieblichen Organisationsformen verknüpft werden müssen.
Finanzierung
Die Finanzierung handwerklicher Dienstleistungen ist für Menschen, die im Berufsleben stehen und ein regelmäßiges Einkommen erzielen, zumeist kein besonderes Problem. In höherem Lebensalter und geringen Renten können allerdings gelegentlich schon kleinere Finanzierungsbedürfnisse für Wohnanpassungen zu Problemen bei Kreditinstituten führen. Selbst dann, wenn Wohneigentum und damit Immobilienvermögen vorhanden ist.
Handwerksunternehmen, die für sich den Markt älterer Menschen erschließen möchten, sollten sich daher umfassend über das Angebot an Finanzierungsmöglichkeiten und Finanzierungshilfen informieren, das ein beträchtliches Potenzial bietet. Dieses Potenzial, das von kostengünstigen Krediten über Zinszuschüsse und Kostenbeteiligung bis hin zur Kostenübernahme reicht, ist leider nur in wenigen Bereichen konstant und unterliegt einem zeitlichen und regionalen Wandel. Auch persönliche Umstände, Pflegebedarf, Erkrankungen, Behinderungen, familiäre Umstände, wirtschaftliche Verhältnisse, Interessen und Angebote von Vermietern und Wohnungsgesellschaften können eine Rolle spielen.
Ansprechpartner zur Klärung von Finanzierungsfragen können sein: Kommunen, Krankenkassen, Pflegekassen, Handwerkskammern, Innungen, Fachverbände des Handwerks, steuerliche Berater und Vermieter.
Werden Leistungen begonnen, bevor eine definitive schriftliche Finanzierungszusage vorliegt, ist das Risiko nicht unbeträchtlich, dass es bei der Abrechnung zu Schwierigkeiten kommt.
Zertifizierung
Unter einer Zertifizierung versteht man den Nachweis, das bestimmte Kenntnisse, Fähigkeiten oder technische Funktionen vorhanden sind. Die Urkunde der Meisterprüfung bestätigt, dass ihr Besitzer oder ihre Besitzerin eine qualifizierte Ausbildung durchlaufen hat und sich einer Prüfung unterzogen hat, zu deren Bestehen bestimmte fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten notwendig sind. Die Meisterprüfung garantiert damit einen definierten Qualitätsstandard.
Eine Zertifizierung stellt auch die Überprüfung von Fahrzeugen dar und bestätigt deren technische Funktionsfähigkeit.
Auch im Bereich von Handwerksleistungen für ältere Kundinnen und Kunden werden Zertifizierungen abgeboten. Zumeist im Anschluss an Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen. Derartige Zertifizierungen weisen zum Beispiel nach, dass sich ein Unternehmen mit den Normen DIN EN ISO 18024 und 18025 zum barrierefreien Bauen und Wohnen auseinandergesetzt hat und über ein besonderes Wissen über die Bedürfnisse älterer Menschen verfügt.
Zertifizierungen sind geeignet, Vertrauen aufzubauen und können einen Wettbewerbsvorteil schaffen.
Werden Zertifizierungen dazu eingesetzt, technische Gegebenheiten zu bewerten, z.B. die Barrierefreiheit von Ladengeschäften oder die Zugänglichkeit von Gebäuden, dann sind sie dazu geeignet, die Nachfrage nach Anpassungsleistungen durch das Handwerk zu unterstützen.
Hinweise zu Zertifizierungen geben Handwerkskammern, Fachverbände des Handwerks, Innungen, Sozialverbände und Seniorenräte.
Schulung und Weiterbildung:
Der Besuch von Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen ist in der Regel unabdingbare Voraussetzung für die wirtschaftliche Auseinandersetzung mit den Chancen des demografischen Wandels. Die Themenbereiche umfassen das Grundlagenwissen über demografische Veränderungen im eigenen regionalen Geschäftsgebiet, die Kenntnis geeigneter Techniken und Dienstleistungen und deren Einsatz, insbesondere in vorhandenen Wohnumgebungen, das Wissen über Veränderungen im Finanzierungsbereich, die Beschaffung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Motivation, die Auseinandersetzung mit typischen Einschränkungen und Bedürfnissen älterer und behinderter Menschen, die Kenntnis moderner innovativer Wohn- und Lebensgestaltung von Menschen in jedem Lebensalter und in jedem familiären Umfeld und mit der Frage nach der konkreten Ausgestaltung von Geschäftsplänen und Marketingkonzepten.
Die Handwerksorganisationen stellen ein qualifiziertes Angebot an Wissen bereit, das vielfach aus öffentlichen Mitteln finanziell gefördert wird. Für bestimmte Gruppen von Teilnehmerinnen und Teilnehmer können Kursgebühren sogar vollständig übernommen werden.
Je nach individuellem Bedarf und betrieblicher Möglichkeit stehen Fernlehrgänge, Tageskurse und Kurzinformationen zu aktuellen Spezialthemen oder zur grundsätzlichen Basisinformation zur Verfügung.
Fragen Sie Ihre Handwerkskammer, Ihre Innung, Ihren Fachverband oder die Bundesagentur für Arbeit.
Beschäftigung:
Der Wettbewerb um leistungsfähige und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird als Ergebnis des demografischen Wandels an Intensität zunehmen. Wenn aufgrund niedriger Geburtenraten der Nachwuchs knapp wird, ist durch Zuwanderung mit einem gewissen Ausgleich zu rechnen. Die Nutzung dieses Potenzials erfordert eine gezielte Auseinandersetzung mit den damit verbundenen Notwendigkeiten.
Für Handwerksunternehmen können neben der Ausbildung eigener Nachwuchskräfte und der Nutzung des Personalmarktes auch innovative Modelle der Beschäftigung in Frage kommen. Teilzeitbeschäftigungen, die Integration von Frauen auch in technische Prozesse, die Beschäftigung älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen dazu ebenso wie die Neustrukturierung von Arbeitsabläufen, mit denen die für viele Handwerke typischen körperlichen Belastungen neu verteilt werden.
Der demografische Wandel wird im Bereich der Beschäftigung für Handwerksunternehmen besonders spürbar werden, weil gerade bei Tätigkeiten für das Wohnen und die Lebensgestaltung Älterer eine Substitution durch Maschinen oder eine Produktion an anderen Standorten nicht möglich ist. Es muss hier und jetzt geleistet werden, da sich beispielsweise die Reparatur eines Wasserrohrbruchs nicht importieren lässt.
Die Gewinnung qualifizierter und motivierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Handwerk wird sicherlich zu einem der Schlüsselfaktoren werden, die darüber entscheiden, wie sich der demografische Wandel für die gesamte Gesellschaft vollzieht.
Netzwerke:
Mit dem Aufbau von Netzwerken wird für Handwerkunternehmen der Zugang zu neuen und innovativen Marktchancen verbunden sein. In vielen Bereichen des Wohnens und der Lebensgestaltung werden bereits koordinierte und kooperative Konzepte der Leistungserstellung und der Kundenbetreuung angewendet und finden eine positive Resonanz. Aber noch immer findet sich auf weiten Gebieten die konsequente Beschränkung auf das eigene Gewerk.
Beide Vorgehensweisen haben durchaus ihren Sinn und ihre Berechtigung. Die jeweilige Vorgehensweise sollte sich an der individuellen Ausrichtung des einzelnen Handwerksunternehmens orientieren, an der unternehmerischen Vision, an der Gestaltung der relevanten Märkte, an Fragen des Risikos, der Gewährleistung, des Versicherungsschutzes, der Rechtssicherheit und der Verfügbarkeit geeigneter Netzwerkpartner.
Bei der Bildung von Netzwerken sollte man beachten, dass dies einem Investitionsprozess gleichzusetzen ist, der zunächst Aufwendungen und Kosten verursacht und erst zu einem späteren Zeitpunkt zu positiven Ertragsrückflüssen führt. In der Regel sollten Netzwerke auf Dauer angelegt sein.
Bei der Bildung von Netzwerken unterschiedlicher Intensität, vom losen Netzwerk für Informationsaustausch bis hin zu Bieter- und Erfüllungsgemeinschaften unterstützen die Organisationen des Handwerks im Rahmen ihrer Schulungs- und Beratungsangebote.
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